GRUNDSCHULE WEITERFÜHRENDE SCHULE KINDERGARTEN

Bericht von Angelika Wanka, Gastschülerin in der Klasse 11 der Deutschen Schule Toulouse

im August 2006


So schnell wie es angefangen hat, ist es nun auch schon wieder vorbei, mein halbes Jahr Auslandsaufenthalt an der Deutschen Schule Toulouse. Letztendlich musste ja doch alles sehr schnell geplant werden und ich bin froh, dass das so reibungslos geklappt hat und ich ausnahmsweise das zweite Halbjahr, nicht das für Gastschüler übliche Erste, die Schule besuchen konnte.

Ich habe mich von Anfang an herzlich aufgenommen gefühlt und es fiel mir leicht, mich in die Klasse und auch in die ganze Schule zu integrieren. Die kleinen Klassen hier waren für mich zu Beginn eine große Umstellung, denn dadurch ist ständige Aufmerksamkeit des Einzelnen gefordert und man wird quasi gezwungen, jede Minute dem Unterricht zu folgen, was in Deutschland in den vergleichsweise großen Klassen leider nicht ganz so gut umgesetzt werden kann und was ich daher nicht kannte. Eine große Umstellung war auch die auf das Punkte-System, welches in Deutschland ja erst ab der 12. Klasse eingesetzt wird. Zuerst hatte ich das Gefühl, im Vergleich zu meiner Schule viel schlechter geworden zu sein, doch mit der Zeit merkte ich, dass das nur an der breiter gefächerten Notenverteilung liegt. Es wird auf jeden Fall ein Vorteil für mich sein, dieses System schon einmal kennen gelernt zu haben, wenn ich dann nächstes Jahr in meinen Grund- und Leistungskursen die ersten Klausuren schreibe. Des Weiteren musste ich mich an die Bewertung von Hausaufgaben, die hier ja einen recht großen Teil der mündlichen Note ausmachen, gewöhnen, denn an meiner Schule kümmert sich spätestens ab der 11. Klasse kein Lehrer mehr darum, ob ein Schüler seine Hausaufgaben erledigt. Ich habe also gelernt, auch auf diesem Gebiet gewissenhaft zu arbeiten. Außerdem zählt die mündliche Note hier viel mehr als in Deutschland, wo die schriftlichen Noten doppelt so viel wie die Mündlichen zählen, was für mich insofern schwierig war, da ich schriftlich grundsätzlich besser bin und mich so mehr auf meine mündlichen Leistungen konzentrieren musste.

Aufgefallen ist mir außerdem die enge Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern, die daraus folgt, dass die Schule so klein ist und die meisten Schüler und Lehrer seit etlichen Jahren hier sind und sich sehr gut kennen. Dazu tragen auch die für so eine kleine Schule sehr zahlreichen außerunterrichtlichen Veranstaltungen bei, seien es nun Vorträge über Politik oder verbindende Abende wie der des WM-Eröffnungsspiels. Solche Veranstaltungen halte ich auch insofern für wichtig, da das Angebot an Arbeitsgemeinschaften und Wahlunterricht an der DST nicht sehr groß ist und man also über solche nicht allzu viel Kontakt zu Schülern aus anderen Klassen knüpfen kann. Ich denke allgemein, dass die Deutsche Schule Toulouse als Teil einer internationalen Schule sehr gut in das französische Alltagsleben integriert ist. Zum Schluss war es schon fast normal für mich, in Frankreich unter Deutschen zu leben, wobei doch meine Freunde zuhause mich immer noch fragen: "Eine Schule in Frankreich, auf der nur deutsch gesprochen wird, geht das denn?". Mir persönlich erscheint es zwar wichtig, sich als "Ausländer" so gut wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren, jedoch sollte man darüber hinaus den Gebrauch seiner Muttersprache nicht vernachlässigen, weshalb ich den Unterricht auf Deutsch durchaus schätze. Schade fand ich, dass auf einer solch internationalen Schule wie Victor Hugo nicht mehr Kontakte zwischen Deutschen, Engländern und Franzosen herrschen und man auch kaum Gelegenheit hat, Schüler dieser Nationalitäten kennen zu lernen, wo es doch eine besondere Situation und einmalige Gelegenheit vor allem für den Fremdsprachenunterricht darstellt.

Alles in allem habe ich trotz kleiner vor allem anfänglicher "Probleme" sehr von dem Aufenthalt in Frankreich und an der DST profitiert, ich konnte meine Französischkenntnisse verbessern, das ungewöhnliche Leben an einer deutschen Auslandsschule kennen lernen, eine Zeit lang erfahren, wie es ist, "Ausländer" zu sein, und nicht zuletzt neue Freundschaften schließen.

Angelika Wanka